
Atomkraftwerk Fukushima: Das Erbe der Katastrophe
2011 geschah in Fukushima die größte nukleare Katastrophe seit Chernobyl. Besuche das Kraftwerk auf einer geführten Tour und erfahre mehr über das Unglück und den Wiederaufbau.
2011 gingen Bilder der explodierenden Reaktoren um die Welt: Durch eine Kombination aus Erdbeben und Tsunami versagten kritische Sicherheitssysteme im japanischen Atomkraftwerk Fukushima und die Welt erlebte die größte Nuklearkatastrophe seit Chernobyl 1986.
Über 150.000 Menschen wurden evakuiert. Manche können bis heute wegen der Strahlenbelastung nicht in ihre Heimat zurück. Andernorts haben die seit 15 Jahren andauernden Aufräumarbeiten Wirkung gezeigt und das Leben ist langsam zurückgekehrt – doch es werden noch Jahrzehnte vergehen, bis die Normalität wiederhergestellt ist.
Ich habe auf einer begleiteten Tour zum Atomkraftwerk Fukushima und durch die versehrten Gebiete das Erbe der Katastrophe und die Bemühungen des Wiederaufbaus mit eigenen Augen gesehen – und du kannst das auf deiner Japanreise auch.
| Lage | An der Westküste Japans in der Präfektur Fukushima, etwa 3 Stunden nördlich von Tokio |
| Bekannt für | Die Nuklearkatastrophe von Fukushima, einer der schwersten nuklearen Unfälle der Geschichte |
| Wie lange bleiben? | 1 Nacht |
| Anreise | Mit der Bahn von Tokio oder Sendai |
| Top-Highlight | Die begleitete Tour zu den Resten des Atomkraftwerks Fukushima und durch die betroffenen Gebiete |
Wenn du das Wort Fukushima hörst, woran denkst du zuerst? Vor 2011 hätten die meisten Deutschen auf diese Frage sicher etwas geantwortet wie „Was soll das sein?“, während viele Japaner die gleichnamige Präfektur nördlich von Tokio erwähnt hätten, die für die Samuraistadt Aizu-Wakamatsu und den hochwertigen Fisch bekannt ist, der vor ihrer Küste gefangen wird.
Doch dann kam der 11. März 2011 und die Antwort auf diese Frage veränderte sich weltweit, und für Generationen. An diesem Freitag geschah im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi die schwerste nukleare Katastrophe seit Chernobyl 1986. Das Kraftwerk, das ohnehin in einer vulnerablen Position direkt an der Pazifikküste errichtet wurde, wurde zunächst von einem schweren Seebeben erschüttert und dann vom Tsunami getroffen, den das Beben erzeugte.
Durch diesen Doppelschlag versagte die Stromversorgung komplett: Während das Beben zunächst nur die externe Stromversorgung kappte, wurden die Notstromgeneratoren vom Tsunami ertränkt, sodass das Atomkraftwerk einen kompletten Blackout erlebte. Dadurch konnten die Reaktoren nicht mehr gekühlt werden. In Folge dessen gab es in den folgenden Tagen Kernschmelzen in drei und Wasserstoffexplosionen in vier der sechs Reaktoren des Atomkraftwerks.
Japan und die ganze Welt konnten in den ersten Tagen der Katastrophe nur hilflos zusehen. Durch das Beben und den Tsunami war das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi fast komplett von der Außenwelt isoliert. Die Mitarbeiter und Rettungskräfte vor Ort waren auf sich alleine gestellt und versuchten heldenhaft, noch Schlimmeres zu verhindern. Erst ab dem 16. März gelangten zunehmend Helfer von außen zum Kraftwerk, um die Situation zu stabilisieren.
Die Reaktoren wurden nun auf jede verfügbare Weise gekühlt. Es wurde sogar per Hubschrauber Wasser aus dem Meer geholt und über der Unglücksstelle abgeworfen. Erst am 19. März konnte die Stromversorgung der Reaktoren wiederhergestellt und die normalen Kühlsysteme wieder aktiviert werden. Doch es dauerte noch bis Dezember 2011, bis die japanische Regierung offiziell bekanntgab, dass alle Reaktoren von Fukushima Daiichi wieder stabil seien.
So gravierend die Folgen der Fukushima-Katastrophe waren – sie hätte deutlich schlimmer enden können. In Reaktor 4 lagen zum Zeitpunkt des Unglückswegen Wartungsarbeiten radioaktive Brennstäbe frei, die sich bei der Wasserstoffexplosion im Reaktor hätten entzünden können – doch zufälligerweise wurden sie durch Wasser, das aus einem undichten Schaft strömte, bedeckt.
Auch der Wind spielte Japan in die Karten. In der kritischen Phase vor dem 16. März musste aus den beschädigten Reaktoren mehrmals Druck abgelassen werden, wodurch radioaktive Wolken freigesetzt wurden. Doch der Wind trug diese Wolken weg von der Küste auf den Pazifik heraus. Wären sie stattdessen ins Landesinnere geblasen worden, wären die Folgen der Fukushima-Katastrophe wohl noch deutlich dramatischer gewesen.
Obwohl das Unglück von Fukushima inzwischen 15 Jahre her ist, ist es auch heute in der Region rund um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi allgegenwärtig. Viele Landstriche in der Nähe des Kraftwerks sind immer noch so verstrahlt, dass sie als Red Zone deklariert wurden, in der sich niemand ansiedeln darf.
Und auch am Ort der Katastrophe ist vieles noch unverändert: Die Reaktoren 1-4 des Kernkraftwerks Fukushima, die von den Explosionen und Kernschmelzen betroffen waren, stehen weiterhin an Ort und Stelle und wurden bisher vor allem mit Schutzhüllen aus Beton versiegelt.
Doch die radioaktiven Hinterlassenschaften sind weiterhin in ihnen begraben – und die Strahlung in den Ex-Reaktoren ist so hoch, dass sie für Menschen nach wenigen Minuten tödlich wäre. Deshalb können die Trümmer und Brennstoffe nur langsam von spezialisierten Robotern geborgen werden, die überhaupt erst für diesen Zweck entwickelt werden mussten.
Die Bergungs- und Aufräumarbeiten rund um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi werden noch Jahrzehnte dauern, vielleicht sogar bis ins nächste Jahrhundert. Gleichzeitig kehrt in den weniger betroffen, wieder freigegeben Landstrichen rund um das Kraftwerk das Leben zurück – und die Menschen, die vor 15 Jahren evakuiert wurden.
Die Rückkehrer haben den Wunsch, dass die Frage nach Fukushima eines Tages wieder andere Assoziationen mit sich bringt als die nukleare Katastrophe – dass sich Menschen wieder zuerst an das historische Erbe, die Meeresfrüchte und den Sake erinnern, für welche die Präfektur einst am bekanntesten war.
Keiner macht sich Illusionen: Bis dahin ist es ein weiter Weg. Doch jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt – und einige Einwohner dieser Region wollen Besuchern zeigen, welche Schritte sie seit der Katastrophe bereits gegangen sind, die in eine bessere Zukunft führen und sie einladen, ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen.
Und genau aus diesem Grund wurden Touren durch die versehrte Zone ins Leben gerufen, die Touristen zum Atomkraftwerk und den Ruinen der Reaktoren führen, durch die Red Zone, aber auch durch die Orte, in die das Leben bereits zurückgekehrt ist. Ich habe an einer solchen Tour teilgenommen. Lies weiter, wenn du wissen willst, wie sie war.
Freitagmorgen, der 27. Februar 2026. Wir verlassen das Tomioka Hotel in der gleichnamigen Kleinstadt am Rande des Katastrophengebiets. Ich bin gestern zusammen mit einem Freund von Tokio mit dem Zug hierher gereist, um an der Tour teilzunehmen. Die Fahrt aus Tokio dauerte nur drei Stunden – das Atomkraftwerk liegt nicht allzu weit vom bevölkerungsreichen Ort Japans entfernt.
Hinter uns liegen Wochen der Planung. Wir haben die Tour mit dem Anbieter Real Fukushima gebucht. Sie wird geleitet von Karin und Shuzo, zwei Einheimischen, die nach der Nuklearkatastrophe in ihre Heimat zurückkehrten, um Besuchern die Folgen des Unglücks und den Wiederaufbau der Region zu zeigen.
Die Tour findet einmal pro Monat statt und die Anmeldung ist zwei Monate im Voraus möglich. Zwischen der Anmeldung und dem Tag der Tour hatten wir viel Korrespondenz mit Karin – vor allem, um die Sicherheitsfreigabe für den Besuch im Atomkraftwerk zu bekommen. Der Betreiber TEPCO fordert von jedem Teilnehmer detaillierte persönliche Angaben, die wir ihm über das Team von Real Fukushima zukommen ließen.
Außerdem versorgte das Real Fukushima-Team uns mit sämtlichen Informationen, die wir brauchten, damit wir heute nun rechtzeitig hier stehen können. Anreisetipps, Hotelempfehlungen, Zeitplan – wir wurden gut vorbereitet. Und das für überaus faire 10.000 Yen (gut 50€) pro Person. Ein akzeptabler Preis für ein einmaliges Erlebnis.
Und so machen wir uns an diesem bewölkten Februarmorgen auf den Weg vom Hotel zum Decommissioning Archive Center von TEPCO, wo unsere Tour beginnt. Von unserem Hotel sind es nur 10 Minuten zu Fuß und zu dieser Uhrzeit sind wir die einzigen Menschen auf den Straßen.
Wir sind rechtzeitig im Zentrum angekommen und die anderen Teilnehmer unserer Tour trudeln nach und nach ein. Zum Start machen unsere Guides eine kurze Vorstellungsrunde. Dabei bemerken wir zwei Dinge: Die Teilnehmer sind aus der ganzen Welt, von Chile bis China. Und die meisten Teilnehmer haben einen wissenschaftlichen Hintergrund. In unserer 12-köpfigen Gruppe sind ganze zwei Doktoren der Nuklearphysik, plus zahlreiche weitere Naturwissenschaftler.
Mein Freund und ich hingegen sind einfach daran interessiert, den Ort der Katastrophe mit eigenen Augen zu sehen und mehr darüber zu erfahren, was seitdem in der Region passiert ist. Wir sind ein bisschen besorgt, dass die Tour zu wissenschaftlich für uns sein könnte.
Diese Sorge verschwindet aber schnell, als wir die ersten Informationen vom TEPCO-Team vor Ort erhalten. Unsere Tourguides von Real Fukushima übersetzen sie für uns ins Englische. Es geht darum, was wir uns heute genau ansehen werden und wir erhalten Informationen über die radioaktive Strahlung, der wir ausgesetzt sein werden.
Während der Tour werden wir voraussichtlich Strahlung in Höhe von etwa 7 Mikrosievert ausgesetzt sein, ungefähr so viel wie bei einer Zahnröntgenaufnahme. Allerdings wurden wir im Vorfeld auch dazu eingeladen, eigene Geigerzähler mitzubringen, falls wir diesen mehr vertrauen.
Nach dem Briefing geht es raus auf den Parkplatz, wo ein TEPCO-Bus wartet, der uns zum Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bringen wird. Spätestens als wir unsere Besucher-Badges in die Hand gedrückt kriegen und in den Bus steigen, fühlt sich das Kraftwerk auf einmal ganz nah an.
Wir sitzen in einem Meetingraum auf dem Gelände des Kraftwerks. Unsere Tourleiter von TEPCO, der die Besichtigung des Kraftwerks führen wird, präsentiert uns die Inhalte der Arbeitsmappe, die jeder Teilnehmer erhalten hat. Sie besteht aus mehreren Seiten, auf denen viele ziemlich technische Details über den Hergang der Katastrophe und die verbleibende Strahlung zu lesen sind.
Schon der Weg ins Kraftwerk war eindrucksvoll und ein bisschen beklemmend. Während der Busfahrt passierten wir Landstriche, in denen immer noch Aufräumarbeiten stattfanden und abgeriegelte Areale, auf denen verstrahlter Abfall zwischengelagert wurde. Über den Landstraßen hängen in regelmäßigen Abständen große Displays, die Autofahrern die aktuelle Strahlenbelastung anzeigen.
Bei der Ankunft im Kraftwerk stoppte der Bus vor einem großen Bürokomplex auf dem Gelände. Im Inneren des Gebäudes mussten wir zuerst unsere Schuhe ausziehen, alle unsere Wertsachen abgeben und Metallscanner passieren, bevor wir unsere Besucheruniform bekamen. Die bestand nur aus einer leichten Schutzweste mit Strahlungsmesser und Badge, da die Radioaktivität auf dem Gelände für Kurzzeitbesucher nicht mehr kritisch ist.
Fotografieren und filmen ist auf dem Gelände strengstens verboten. Unsere Tour kriegt einen Begleiter von TEPCO, der einige Fotos von uns schießen wird, die wir im Nachgang zugesendet bekommen. Nun erhalten wir im Meetingraum die letzten Informationen, bevor wir das Gebäude verlassen und zurück in den Bus steigen, der uns ins Zentrum der nuklearen Katastrophe bringen wird – zu den Reaktoren 1 bis 4.
Es ist ein besonderes Gefühl, in Fleisch und Blut an einem Ort zu stehen, der sich ins kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat. Ein Gefühl der historischen Bedeutsamkeit – und der Tragik. So geht es zumindest mir, als unsere Tourgruppe die Aussichtsplattform erreicht, die oberhalb der Reaktoren 1 bis 4 liegt.
Hier liegt das Herz der Katastrophe. Diese Reaktoren waren es, aus denen das radioaktive Material austrat. Und wir stehen nur knapp 100 Meter entfernt von ihnen. Keiner der vier Reaktoren sieht aus wie vor der Katastrophe. Einst hatten alle die gleiche quadratische Form, aber nach dem Unglück bekam jeder Reaktor eine individuelle Schutzhülle verpasst.
Die Strahlung aus den Reaktoren ist trotz Schutzhülle weiterhin extrem hoch, da bisher nur kleine Mengen des radioaktiven Abfalls und der Brennstäbe im Inneren geborgen werden konnten. Vom Aussichtspunkt können wir Arbeiter in voller Schutzausrüstung sehen, die an den Reaktoren beschäftigt sind.
Uns wird erzählt, dass sie an Tagen mit besonders hoher Strahlenbelastung bereits nach unter einer Stunde durch das nächste Team ersetzt werden, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Auch bei unserer Gruppe wird penibel auf das Strahlungslevel geachtet, da die Belastung so nah an den Reaktoren höher ist als überall sonst auf dieser Tour. Deshalb müssen wir nach etwa 10 Minuten die Aussichtsplattform verlassen und wieder in den Bus steigen.
Nach einer kurzen Fahrt über das Kraftwerksgelände, vorbei an Bürogebäuden und Lagerplätzen mit radioaktivem Abfall, erreichen wir die Reaktoren 5 und 6. Diese stehen nördlich von den Reaktoren 1 bis 4 und wurden auf etwas höherem Terrain errichtet.
Und das verhinderte im März 2011 eine noch schlimmere Katastrophe: Da die Reaktoren 5 und 6 einige Meter höher über dem Meeresspiegel stehen, beschädigte der Tsunami sie nicht und die Notstromversorgung wurde nicht beeinträchtigt. Heute sehen sie noch genauso aus wie vor der Katastrophe, aber sind seit damals stillgelegt.
Unser Reisebus rumpelt über eine verlassene Straße. Links und rechts stehen überwucherte Häuser, in denen schon seit 15 Jahren niemand mehr wohnt. Wir befinden uns in der Red Zone – einem der Landstriche in der Nähe von Fukushima Daiichi, der beim Unglück besonders stark kontaminiert wurde.
Der Wind in den Tagen der Katastrophe spielte hierbei eine zentrale Rolle. Während er die meiste Zeit den nuklearen Fallout glücklicherweise aufs Meer hinaus blies, wurde der Fallout zeitweise vom Wind auch in die Gegenrichtung getragen. Die heutige Red Zone besteht größtenteils aus Gebieten, die im März 2011 einfach Pech mit dem Wind hatten.
Heute sind immer noch etwa 90% der Red Zone Sperrgebiet, in das niemand zurückkehren darf. Hier liegen Wälder, Berge und kleine Siedlungen, die bisher nicht dekontaminiert wurden. Die restlichen 10% der Red Zone – meist größere Orte mit wichtiger Infrastruktur wie Bahnhöfen und Schulen – wurden bereits dekontaminiert und wieder zugänglich gemacht, um die Rückkehr der Evakuierten in die versehrten Gebiete zu erleichtern.
Doch die Rückkehr geht nur langsam voran. Viele Evakuierte haben sich in den Jahren seit der Katastrophe an ihren neuen Wohnorten neue Existenzen aufgebaut und wollen nicht mehr zurückkehren. Andere sind immer noch besorgt wegen der Strahlung und verzögern deshalb eine Rückkehr.
An diesem Tag im Februar 2026 wirkt die Region um das Kraftwerk noch, als bestünde sie aus Inseln der Zivilisation inmitten eines kontaminierten Ozeans, auf denen heimatverbundene Rückkehrer wie Karin und Shuzo den Wiederaufbau ihrer Heimat Schritt für Schritt vorantreiben.
Ich sitze in einer Raststätte an der Landstraße und esse Yakisoba. Das ist der Mittagsstopp unserer Tour. Die Raststätte liegt am Rande von Namie, einer Kleinstadt in der Red Zone. Namie ist einer der Orte, der in den Tagen der Katastrophe Pech mit dem Wind hatte – aufgrund der extrem hohen Strahlenbelastung wurden alle 21.000 Einwohner evakuiert.
Sechs Jahre später, im März 2017, wurde der Evakuierungsbefehl für Teile von Namie aufgehoben und die Menschen durften dorthin zurückkehren. Doch nur wenige nahmen diese Gelegenheit wahr. Heute leben etwa 2.500 Personen in Namie – gerade mal 10% der Einwohnerzahl vor der Katastrophe.
Gleichzeitig sieht man: Die Menschen geben sich Mühe, ihrer Heimat eine neue Zukunft zu schenken und das Beste aus den Umständen zu machen, welche die Nuklarkatastrophe in ihrer Heimat hinterlassen hat. Die Raststätte ist ein Beispiel dafür: Das Gebäude wurde neu gebaut und die Gerichte, die man hier bekommt, sind vollständig aus lokalen Zutaten gemacht – was noch vor einigen Jahren aufgrund der Kontamination nicht denkbar gewesen wäre.
Und auch im Rest der Kleinstadt sind ähnliche Entwicklungen sichtbar: Neue Cafés, renovierte Häuser – das Leben kehrt zurück, langsam, aber sicher. Doch bevor die Tour endet, steigen wir erneut in den Bus und fahren an einen Ort, der auch heute ein Symbol der Katastrophe geblieben ist.
Der letzte Stopp unserer Tour ist heute ein besonderer. Eigentlich stoppt die Real Fukushima-Tour noch am Great East Japan Earthquake and Nuclear Disaster Memorial Museum in der nahegelegenen Kleinstadt Futaba, doch das Museum war am Tag der Tour wegen Arbeiten geschlossen. Deshalb fahren wir mit dem Bus an die Küste von Namie, an der ein neu gebauter 15 Meter Tsunami-Schutzwall die Kleinstadt vor Katastrophen wie jener 2011 schützen soll.
Unser Ziel liegt ein Stück hinter dem Schutzwall. Es handelt sich um die Ukedo Elementary School – eine Grundschule, die zu einer Art Zeitzeugin der Katastrophe von 2011 wurde. Nachdem das Erdbeben vom 11. März nachließ, evakuierten die Lehrkräfte umgehend die ganze Schule, da sie einen folgenden Tsunami befürchteten. Und sie hatten recht: Die anschließende Flutwelle zerstörte das Erdgeschoss des Schulgebäudes komplett.
Doch alle Lehrer und Schüler hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem Hügel in Sicherheit gebracht, sodass keiner von ihnen ums Leben kam. Und das Schulgebäude blieb trotz der Wassermaßen, die es trafen, stehen – im Gegensatz zu über 400 anderen Gebäuden in Namie, die zerstört wurden.
Zehn Jahre nach dem Erdbeben eröffnete die Ukedo Elementary School als Museum, das an die Katastrophe erinnern soll. Das vom Wasser zerstörte Erdgeschoss wurde im damaligen Zustand belassen, was die unglaubliche Kraft des Tsunamis besser illustriert, als jede Ausstellung es könnte.
Wir stehen am JR-Bahnhof in der Kleinstadt Futaba und warten auf unseren Zug zurück nach Tokio. Hinter uns liegt ein Tag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich glaube nicht, dass wir die Geschichte der Katastrophe von Fukushima auf irgendeine Weise besser erlebt haben könnten als durch diese Tour.
Wenn du dich auch für die Nuklearkatastrophe von Fukushima interessierst und aus erster Hand erfahren willst, was seitdem in der Region passiert ist, kann ich dir diese Tour zu 100% ans Herz legen – du lernst durch sie ein Stück Weltgeschichte besser kennen.
Unsere Tourguides haben uns empfohlen, die japanische Netflix-Serie The Days vor der Tour anzusehen, da sie die Katastrophe aus einer japanischen Perspektive beleuchtet. Ich habe mir The Days angesehen und kann sie dir absolut weiterempfehlen, um dich für die Tour nach Fukushima vorzubereiten. Man versteht durch die Serie den Ablauf der Ereignisse und das Drama, das sich im Atomkraftwerk abgespielt hat, viel besser.
Das Atomkraftwerk liegt etwa drei Stunden nördlich von Tokio an der Ostküste Japans.

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